Presseartikel
Studie: Nordsachsen hat die schlechteste Anbindung im Freistaat
Der Landkreis Nordsachsen hat die schlechteste ÖPNV-Anbindung im Freistaat – bundesweit reicht es nach Berechnungen einer Studie nur für Platz 291 von 397 Kreisen. Und: Die Unterschiede zwischen Stadt und Land sind fast nirgends so groß wie in Sachsen.
Berlin. Der Landkreis Nordsachsen ist im Freistaat die Region mit der schlechtesten Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. Das geht aus dem sogenannten ÖV-Atlas 2026 der Denkfabrik Agora Verkehrswende hervor. Demnach landet der Landkreis Nordsachsen deutschlandweit auf Platz 291 von 397. Nur knapp bessere Bewertungen erhielten der Erzgebirgskreis und der Landkreis Mittelsachsen. Der bayerische Landkreis Straubing-Bogen kommt im nationalen Vergleich auf den letzten Platz.
Leipzig hingegen ist bundesweit ganz vorn mit dabei. Die größte Stadt Sachsens landet im bundesweiten Vergleich auf Platz 7; auch Dresden (Rang 11) ist gut angebunden. Chemnitz (Platz 66) fällt hingegen ab, ist in Sachsen aber am drittbesten angebunden.
Große Unterschiede zwischen Stadt und Land
Die Platzierungen ergeben sich aus einer Benotung von 1 bis 6, erklärt die Denkfabrik ihr Vorgehen. Bei der Erhebung erhielt zuerst jede einzelne Wohnadresse in einem Landkreis eine solche Note für ihre Anbindung, abhängig von der Entfernung zur nächsten Haltestelle und den dortigen Verbindungen. Die Bewertung eines gesamten Landkreises ergibt sich dann aus der durchschnittlichen Bewertung aller Adressen.
Generell steigt die Qualität der Anbindung mit der Bevölkerungsdichte. In Sachsen ist der Unterschied allerdings besonders groß: Der Freistaat hat im Vergleich der Bundesländer mit 3,0 den zweitgrößten Unterschied zwischen den ÖPNV-Bewertungen städtischer (2,1) und ländlicher Regionen (5,1), nur getoppt von Bayern mit einem Unterschied von 3,3. Der kleinste Unterschied besteht in Rheinland-Pfalz (1,8).
Bei den Fußgängern ist Chemnitz Spitzenreiter
Neben dem ÖPNV bewertet der ÖV-Atlas auch den Rad- und Fußverkehr. Wichtig ist hierfür der Anteil der zurückgelegten Strecke pro Person. Der Blick auf die Zahlen zeigt: Auch Fahrradfahren kann man in Leipzig am besten. Pro Tag legen die Menschen dort knapp 33 Kilometer zurück; 6,6 Prozent davon mit dem Fahrrad. Damit belegt die Stadt unter 400 untersuchten Kreisen und kreisfreien Städten Platz 25. Dresden kommt auf Rang 44, Chemnitz fällt im Vergleich ab und belegt Platz 221.
Bundesweit ist das Fahrrad in der Stadt Münster in Nordrhein-Westfalen am beliebtesten. Dort legten die Menschen 11,8 Prozent ihrer Wege mit dem Fahrrad zurück.
Bei den Fußgängern ist Chemnitz in Sachsen ganz vorn. Hier absolvieren die Menschen von zurückgelegten 30 Kilometern am Tag fünf Prozent zu Fuß. Damit schafft es die Stadt im bundesweiten Vergleich auf Platz sieben. Dresden (Rang 10) und Leipzig (44) liegen dahinter.
ÖV-Atlas: So wurden die Daten erhoben
Der ÖV-Atlas bewertet, wie gut Menschen an ihrem Wohnort mit öffentlichem Verkehr versorgt sind. Jeder einzelne Wohnstandort erhält eine Note von 1 bis 6, erklärt Agora. Diese fasst zwei Fragen zusammen: Wie nah ist die nächste Haltestelle? Und wie gut ist das Angebot dort, gemessen an der Taktdichte und der Art des Verkehrsmittels? Dabei werde die Eisenbahn höher gewichtet als die Straßenbahn und diese wiederum höher als der Bus. Am Ende wird der Durchschnitt aller Wohnanschriften in einem Kreis errechnet.
Die Denkfabrik räumt allerdings einige Einschränkungen ihrer Erhebung ein: Die Güteklassen gäben Auskunft über die Erschließungs- und Angebotsqualität nach Fahrplan, jedoch nicht über die tatsächliche Auslastung, die Pünktlichkeit oder die Reisezeit zum Ziel
Die durchschnittliche ÖV-Güte eigne sich zudem zwar für den Vergleich, ersetze aber nicht den Blick auf die Verteilung der Bevölkerung über die Klassen. Wohnorte ohne Güteklasse – also komplett ohne erreichbare Verkehrsanbindung – gingen mit dem Wert 7 in den Mittelwert ein. Bei flexiblen Bedarfsverkehren sei die Datenlage außerdem lückenhaft.
