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Presseartikel

Suche nach Geld, Konzept und Betreiber: Gelingt die Sanierung des Dübener Heide Spa?

Kathrin Kabelitz (LVZ)

Die Bade- und Saunalandschaft muss dringend saniert werden - das kostet rund 33 Millionen Euro. Wer betreibt Spa und Hotel künftig, muss das Bad während der Sanierung schließen, was passiert mit den Mitarbeitern? Antworten zu den wichtigsten Fragen.

Bad Düben. Das im Jahr 2000 in Bad Düben eröffnete Heide Spa gilt mit Badelandschaft, Saunawelt und Gastronomie als zentraler Ankerpunkt für den Tourismus in der Dübener Heide. Dabei war das Hotel anfangs ziemlich umstritten in der Kurstadt. Hotels gab es bereits und die sowie das übrige Beherbergungswesen liefen vor allem in den 1990er-Jahren eher schlecht als recht. An den Erfolg glaubten viele nicht.

Wie konnte der Sanierungsstau von jetzt 33 Millionen Euro entstehen?

Stadt und Landkreis sprechen nicht von einem Sanierungsstau, sondern von Geld, das in die konzeptionelle Neuausrichtung des Bad- und Saunabereiches fließen soll – und muss. 25 Jahre Betriebsdauer haben trotz Instandhaltungsmaßnahmen und kleinerer Investitionen Spuren hinterlassen. Die Höhe der Kosten für die Sanierung wird derzeit mit 33 Millionen Euro beziffert. Die Einrichtung wurde Ende der 1990er-Jahre errichtet, Ausstattung, Technik und Angebot sind nicht mehr zeitgemäß. Ein Schicksal, das landesweit andere Freizeit- und Gesundheitsbäder teilen, wie das Gesundheitsbad in Bad Schlema (Erzgebirgskreis) oder die Körse-Therme in Kirschau (Landkreis Bautzen). Sachsen schießt beispielsweise für letztere Einrichtung bisher rund 19 Millionen zu. Avisiert ist aber ein Zuschlag, da die Kosten gestiegen sind – derzeit betragen diese 29 Millionen Euro.

Was soll mit der Sanierung erreicht werden?

Ziel ist, das als Kur-, Wellness- und Veranstaltungszentrum errichtete Heide Spa so umzubauen, dass es zukunftsfähig ist. Erreicht werden soll, dass der Zuschuss der Gesellschafter – 51 Prozent hat der Landkreis, 29 Prozent die Stadt und 20 Prozent die Sparkasse – künftig fast bei null liegt. In den vergangenen 25 Jahren ist dies nicht gelungen. Der Zuschuss bewegt sich jährlich derzeit in sechsstelliger Höhe. Wie angespannt die finanzielle Lage ist, zeigte sich beim Jahresabschluss 2024, den die Stadt als Gesellschafter im vergangenen November feststellte. Die Bilanz weist demnach einen Verlust von 1,544 Millionen auf. Massive Einbußen bei den Umsatzerlösen sowie hohe Aufwendungen in puncto Energie wurden als Gründe benannt.

In welchen Bereichen besteht der größte Handlungsbedarf?

Es geht vorrangig um die Bereiche Bad- und Saunalandschaft, um die Technik und die energetische Sanierung.

Was soll das Heide Spa künftig bieten?

Tatsächlich soll es eine Neuausrichtung des Heide Spa geben. Heißt, es geht vorrangig um Wohlfühl-, Entspannungs- und Wellness- sowie Aspekte der Gesundheitsförderung - kein Spaßbad. Ein Konzept liegt bereits vor. Wie es genau umgesetzt wird, lässt sich erst nach einer erfolgten Ausschreibung sagen. Im Gespräch sind kleinere und unterschiedlich temperierte Wasser- oder Sole-Becken, die Trennung der Wasserkreisläufe In- und Outdoor. Der Wohlfühlfaktor auch außerhalb der Badebecken soll erhöht werden. Man habe sich bei der Erstellung des Konzeptes an Einrichtungen im näheren und weiteren Umkreis orientiert und geht davon aus, damit auskömmliche Besucherzahlen zu erreichen. „Ein solches Bad gibt es in der weiteren Region bisher nicht“, sagt Bürgermeisterin Astrid Münster (WBD).

Ist eine Sanierung ohne Fördermittel möglich?

Angesichts der auf 33 Millionen Euro bezifferten Kosten – nein. Stadtrat und Kreistag haben im März und April gleichlautende Beschlüsse zur Überplanung und energetischen Sanierung der Bade- und Saunalandschaft sowie zur Beantragung von Fördermitteln zugestimmt. Laut Landrat Kai Emanuel (parteilos) habe der Freistaat signalisiert, dass ausreichend Geld für die dringend benötigte Sanierung und Modernisierung da ist.

Wie hoch wird der Fördermittel-Anteil sein?

Von rund 30 Millionen Euro war bereits die Rede. Letztlich aber ist entscheidend, was überhaupt förderfähig ist. Die Zuschüsse können für die Bereiche Sauna, Badelandschaft, Haustechnik plus erneuerbare Energien unterschiedlich ausfallen. Erst wenn das geklärt ist, was wie gefördert werden kann, steht fest, in welcher Höhe Eigenmittel bereitgestellt werden müssen.

Warum war eine Förderung bisher nicht möglich?

Einschlägige Fördermöglichkeiten gab es in den letzten Jahren so gut wie keine. 2022 hatte sich die Stadt Bad Düben um Gelder aus einem speziell für energetische Sanierungen von Schwimmhallen und Bädern aufgestellten Bundesprogramm bemüht, ging aber im Rennen um 15 Millionen Euro für die Sanierung der Becken sowie die Umstellung der Wärmeerzeugungsanlagen leer aus.

Wann kommen die beantragten Fördermittel, geht jetzt alles ganz schnell?

Nein. Für die Sanierung des Kurzentrums Heide Spa liegt ein Antrag bei der Landesdirektion Sachsen vor. Das hat ein Sprecher des Sächsischen Wirtschaftsministeriums auf Anfrage bestätigt. Diese Unterlagen seien aber noch nicht vollständig und „damit nicht bewilligungsreif.“ In den Gesellschafter-Gremien werden derzeit die Vorkehrungen getroffen, um alle Unterlagen bereitstellen zu können. Aktuell werde davon ausgegangen, dass im Herbst über den Antrag entschieden werden kann.

Wer soll Heide Spa und Hotel künftig betreiben?

Stadtrat Bad Düben und Kreistag haben zugestimmt, den operativen Bereich der Kurbetriebsgesellschaft Dübener Heide und des Heide Spa im Zuge eines Vergabeverfahrens an einen externen Betreiber – beispielsweise eine Betreibergesellschaft – auszugliedern. Die wirtschaftlichen Folgen für die kommunalen Gesellschafter sollen so minimiert werden. Der Auftrag würde damit sowohl die Zeit während der Bauphase als auch die danach betreffen. Die Ausschreibung folgt bewusst bereits zu einem Zeitpunkt vor Sanierungsbeginn, um den künftigen Betreiber in der Bauphase aktiv einzubinden.

Wer könnte der künftige externe Betreiber sein?

Das ist noch völlig offen. Im besten Fall steht Ende des Jahres fest, wer es ist. Aber natürlich wäre ein Betreiber mit einer gewissen Expertise für Wellnessbäder naheliegend und wünschenswert. So gibt es bei der Spreewaldtherme in Burg seit 2002 eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Betreiber Kannewischer Management AG – einem Schweizer Unternehmen, das in Deutschland insgesamt sechs Thermen besitzt oder betreibt und zahlreiche Bäder- und Wellnessanlagen geplant und realisiert hat. LVZ-Informationen zufolge ist Kannewischer auch bei der Weiterentwicklung des Bad Dübener Heide Spa konzeptionell bereits eingebunden gewesen.

Wie lange dauert die Sanierung? Wird das Heide Spa geschlossen, was passiert mit den Beschäftigten?

Das hängt von der Förderhöhe ab und muss letztlich gemeinsam mit dem künftigen Betreiber entschieden werden. Deshalb wird ein solcher bereits jetzt gesucht. Avisiert waren zuletzt rund anderthalb Jahre. Die Planung kann aber einen anderen Zeitraum ergeben. Inwieweit Bad- und Saunalandschaft geöffnet bleiben können, hängt vom Ausmaß der Arbeiten und einer dann notwendigen teilweisen oder vollständigen zeitweisen Schließung der Einrichtung ab. Dass es dazu kommt, gilt aber als wahrscheinlich. Aussagen, was in der Sanierungszeit mit den derzeit rund 120 Mitarbeitern passiert, können derzeit noch nicht getroffen werden.

Wie geht es mit Kurdirektor Thorsten Dressler weiter?

Thorsten Dressler hat seit knapp vier Jahren das Amt des Geschäftsführers der Kurbetriebsgesellschaft Dübener Heide mbH sowie der Heide Spa Hotel GmbH & Co. KG inne. Am 18. Juli 2022 hatte der damals 57-Jährige die Posten von Ole Hartjen übernommen, der sieben Jahre beide Einrichtungen leitete. Der aus Nordrhein-Westfalen stammende Dressler hatte sich gegen mehr als 40 Mitbewerber durchgesetzt. Er sei die „richtige Person, um die anstehenden Herausforderungen in den nächsten Monaten und Jahren zu meistern”, hieß es damals. Sein Verhältnis zur Stadt und zum Stadtrat galt zuletzt als schwierig. Bürgermeisterin Astrid Münster (WBD) gab bekannt, dass Dressler seinen Mitte 2027 auslaufenden Vertrag als Geschäftsführer der Kurbetriebsgesellschaft auf eigenen Wunsch nicht verlängern wird.

Kann Bad Düben ohne Heide Spa den Kurstadt-Status erhalten?

Aufgabe einer Kurstadt ist es, Gesundheit durch natürliche Heilmittel – in Bad Düben ist es das Moor – zu fördern, erhalten oder wiederherzustellen. Kommunen mit diesem Titel sichern mit Kurmittelanlagen, Kurparks und spezieller medizinischer Infrastruktur ein ganzheitliches Gesundheitsangebot, das Prävention, Rehabilitation und Kurtourismus verbindet. Ohne Heide Spa mit Sauna, Badlandschaft und Therapie wird es aber nicht funktionieren, diesen Auftrag nachhaltig auszugestalten. Fazit: Bad Düben braucht das Heide Spa mit all seinen Gesundheitsvorsorge- und Therapieeinrichtungen, wenn es im Frühherbst seinen Status erfolgreich verteidigen will.

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