Presseartikel
Trauer in Nordsachsen: Kommunalpolitiker Peter Streubel aus Oschatz mit 84 gestorben
Nordsachsen trauert um Peter Streubel: Über Jahrzehnte prägte der Oschatzer Kommunalpolitiker die Bildungs- und Sozialpolitik der Region. Der langjährige Stadtrat und Kreistagsabgeordnete starb im Alter von 84 Jahren. Ein Nachruf.
Oschatz. Mit Peter Streubel verliert Oschatz einen prägenden Kommunalpolitiker und engagierten Bildungskämpfer: Er starb am 4. Mai im Alter von 84 Jahren.
Weggefährten würdigen Streubel
„Peter war standhaft, ehrlich, konsequent und engagiert. Seine Ehrlichkeit hat sich auch in seiner Wortwahl widergespiegelt. Alles hatte Hand und Fuß, wenn er seine Stimme erhob“, sagt Andreas Sachse, Vorsitzender des Ortsverbandes Collm-Döllnitz der Partei Die Linke. Dies sei vor allem bei Themen wie Bildungspolitik oder Integration so gewesen. „Wir werden ihn vermissen und ein ehrendes Gedenken bewahren“, so Sachse. Für Die Linke saß Streubel über 33 Jahre im Oschatzer Stadtrat und war viele Jahre Mitglied des Nordsächsischen Kreistages.
Flucht, Studium und Lehrerberuf
Streubel wurde 1941 im schlesischen Sagan geboren. Nach der Flucht der Familie 1945 wuchs er in Wermsdorf auf. Früh entdeckte er seine soziale Ader und den Wunsch, Lehrer zu werden. Er studierte Deutsch und Geschichte in Leipzig und unterrichtete später an der Oberschule Altmügeln. Zudem engagierte er sich im Pionier- und FDJ-Ensemble von Hans Wiemer, begeisterte sich für Kabarett und interessierte sich für ferne Länder.
Lehrerjahre in Algerien und im Oschatzer Land
Er lernte Französisch und bewarb sich für den Lehrerdienst im Ausland. Zwei Jahre lang unterrichtete er ab 1968 Deutsch an einem Gymnasium in Algerien. Nach der Rückkehr in die DDR arbeitete Streubel an der Goethe-Oberschule in Mügeln, ab 1976 leitete er die Naundorfer Oberschule. Eine weitere Station war die Pestalozzi-Oberschule in Oschatz, wo er ab 1988 als Schulleiter im Einsatz war.
Kündigung nach der Wende
Dann kam die Wende. Seine Mitgliedschaft in der SED wurde Streubel zum Verhängnis. 1992 wurde dem Schulleiter gekündigt. „Ich war der letzte sozialistische Schuldirektor in Oschatz und hatte dann praktisch Berufsverbot“, sagte Streubel mit Stolz in der Stimme vor einiger Zeit bei einem Pressetermin. Weil er in der Schule nicht mehr gewollt war, wechselte er bis 1998 als Lehrer in die Justizvollzugsanstalt Waldheim und in die Jugendvollzugsanstalt Regis-Breitingen.
Einsatz für Bildung und Klinik
Danach widmete er sich ganz seiner Arbeit im Oschatzer Stadtrat und Kreistag. Besonders engagierte er sich für Bildung, Chancengleichheit und Integration, den Erhalt der Geburtsabteilung im Oschatzer Krankenhaus sowie eine gute Facharztversorgung. Zudem stritt er vehement gegen die Umbenennung der Pestalozzi-Oberschule. 2023 gab er nach 33 Jahren aus gesundheitlichen Gründen sein Stadtratsmandat ab.
Die Linke erinnert an Streubel
Im Nachruf der Partei erklärt Dr. Michael Friedrich, Vorsitzender der Fraktion Die Linke im nordsächsischen Kreistag, dass Peter seit der Kreisreform über drei Wahlperioden hinweg der Linken-Fraktion im Kreistag Nordsachsen angehört habe. Man erinnere sich an ihn „als einen aufrichtigen Menschen mit klaren Positionen, als kritischen Geist, der immer das große Ganze im Blick und im Sinn hatte“. Besonders in Bildungsfragen sei er mitunter kantig und unbequem gewesen, jedoch stets konstruktiv und niemals unfair aufgetreten.
Engagement gegen Rechtsextremismus
Weiter heißt es, Peter habe sich als Mitglied im Schul- und Kulturausschuss sowie im Finanzausschuss verlässlich für gleiche Bildungschancen unabhängig vom Geldbeutel, gegen Rechtsextremismus, für eine solide Finanzausstattung der Kommunen und für eine lebendige Selbstverwaltung eingesetzt. Abschließend betont Friedrich: „Wir erinnern uns gern an Peters konstruktive Denkanstöße.“
