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Presseartikel

Zukunft der Schkeuditzer Klinik: „Ab September die ersten Patienten aufnehmen“

Laura Krugenberg (LVZ) und Mathias Schönknecht (LVZ)

In Schkeuditz entsteht der Mediclin Campus Leipzig: Eine spezialisierte neurologische Fachklinik mit 130 Betten, Stroke Unit und durchgängiger Versorgungskette. Warum Mediclin nach dem Helios-Ende von einem Exzellenzzentrum spricht – und was aus dem Waldkrankenhaus in Bad Düben wird, erklärt Thomas Piefke im Gespräch.

Schkeuditz/Bad Düben.Ein Jahr nachdem die Helios-Klinik in Schkeuditz ihren Betrieb eingestellt hat, hat das Haus nun eine neue Perspektive. Die Krankenhausgruppe Mediclin will aus dem ehemaligen Regelversorger eine Fachklinik für Neurologie machen. Die Rede ist dabei von einem sächsischen Exzellenzzentrum. Im Exklusivinterview erklärt Mediclin-COO Thomas Piefke, was dahintersteckt und was noch zu tun ist, damit die ersten Patienten ab dem 1. September in Schkeuditz behandelt werden können.

Herr Piefke, über Monaten liefen die Verhandlungen zwischen Mediclin und Helios. Nun steht fest: Mediclin hat das Klinikgebäude in Schkeuditz gekauft. Wie geht es jetzt weiter?

Wichtig ist mir zunächst: Wir haben die Klinik nicht übernommen, sondern das Gebäude gekauft, um dort ein neues Konzept umzusetzen. Geplant ist keine klassische Regelversorgung, sondern eine spezialisierte neurologische Fachklinik in enger Kooperation mit der Neurologie des Sächsischen Fachkrankenhauses Altscherbitz.

Bislang war von einem Reha-Angebot die Rede. Wie sieht das medizinische Konzept konkret aus?

In Schkeuditz soll der Mediclin Campus Leipzig entstehen. Gemeinsam mit Altscherbitz werden wir eine durchgängige neurologische Versorgungskette ermöglichen. Und zwar unter einem Dach vereint: Von der Akutneurologie mit Intensivmedizin und Stroke Unit über die neurologische Frührehabilitation bis hin zur Rehabilitation der Phasen C und D. Besonders wichtig ist uns die enge Verzahnung der Bereiche.

Das heißt?

Die Frührehabilitation wird direkt neben der Stroke Unit angesiedelt. So können Akutbehandlung, Intensivmedizin und frühe Mobilisation optimal ineinandergreifen. Das verbessert langfristig die Behandlungsergebnisse der Patienten. Unser Ziel ist ein neurologisches Exzellenzzentrum mit kurzen Wegen und enger Zusammenarbeit zwischen Ärzten, Pflegekräften und Therapeuten. Ein solches Konzept gibt es in Sachsen bislang nicht.

Wann haben sie den Entschluss gefasst, die Klinik in Schkeuditz zu kaufen?

Wir haben die Entwicklung der ehemaligen Helios-Klinik natürlich beobachtet. Als der Betrieb im Mai vergangenen Jahres eingestellt wurde, sahen wir die Chance, hier eine spezialisierte neurologische Versorgung mit komplexem Reha-Angebot aufzubauen. Der Bedarf ist hoch. Deshalb sind wir wenige Monate später auf Helios zugegangen. Das entspricht auch unserer bundesweiten strategischen Ausrichtung als Klinikgruppe.

Wie sieht der Zeitplan aus?

Wir bauen im Grunde eine neue Klinik auf. Dafür brauchen wir unter anderem spezielle Medizintechnik und natürlich Personal. Unser Ziel ist dennoch, ab ersten September die ersten Patienten aufzunehmen. Das ist ambitioniert, aber daran arbeiten wir mit Hochdruck.

Wie viel Personal benötigen Sie für den Start?

Wir suchen Ärzte, Pflegekräfte, Intensivpflegekräfte sowie Physio-, Ergo- und Sprachtherapeuten. Auch Verwaltungsmitarbeiter werden gebraucht. Ein solcher Neuaufbau erfolgt schrittweise. Mitarbeiter müssen eingearbeitet und Abläufe aufgebaut werden. Für den Start rechnen wir mit 30 bis 50 Beschäftigten. Gleichzeitig merken wir aber schon jetzt ein großes Interesse. Gerade die neurologische Rehabilitation ist für viele Beschäftigte ein sehr erfüllender Bereich, weil sie Patienten oft über Monate begleiten und Behandlungserfolge unmittelbar erleben.

Wie viele Betten sollen zur Verfügung stehen?

Geplant sind 20 Krankenhausbetten in der Frührehabilitation sowie 110 Betten in der regulären Rehabilitation. Hinzu kommen die Betten der Stroke Unit und der Akutneurologie aus Altscherbitz.

Die Betten der Frührehabilitation werden aus Bad Düben nach Schkeuditz verlagert. Schwächt das nicht den Standort?

Nein. Die Frühreha-Betten existieren in Bad Düben zwar noch formal und wurden bis 2023 auch belegt, aber seitdem nicht mehr. Ein Grund ist die schwierige Personalsituation. In der Region Leipzig lässt sich spezialisiertes Personal deutlich besser gewinnen. Hinzu kommt: Frührehabilitation funktioniert am besten in direkter Nähe zu einer Akutneurologie. Und das haben wir in Schkeuditz, in Bad Düben nicht. Uns war wichtig, dass diese Betten der Region erhalten bleiben. Das Leistungsspektrum in Bad Düben bleibt vollständig bestehen und bleibt von der Verlagerung unberührt.

Werden Bad Düben und Schkeuditz organisatorisch getrennt geführt?

Davon gehen wir derzeit aus.

Es gibt Kritik von Krankenkassen, Mediclin wolle aus einem kleinen Krankenhaus zwei kleine Häuser in der Region Leipzig-Halle machen. Wie begegnen Sie diesem Vorwurf?

Das kann ich nicht nachvollziehen. Die Krankenhausreform verfolgt doch genau das Ziel, dass sich Standorte stärker spezialisieren und enger kooperieren. Genau das setzen wir hier um. Bad Düben mit dem Waldkrankenhaus bleibt als spezialisierter Standort für Orthopädie, Alterstraumatologie und Geriatrie vollständig erhalten. In Schkeuditz konzentrieren wir uns auf die neurologische Versorgungskette. Das erhöht die Behandlungsqualität und schont Ressourcen – davon profitieren am Ende die Patienten. Der Bedarf an neurologischer Frührehabilitation und Rehabilitation ist enorm hoch. Gleichzeitig profitiert auch das Rehazentrum Bad Düben von der Zusammenarbeit mit dem neuen neurologischen Zentrum in Schkeuditz.

Hat der Krankenhausplanungsausschuss der Verlagerung bereits zugestimmt?

Wir haben unser Konzept vorgestellt und die Verlagerung beantragt. Bescheide liegen noch nicht vor. Die Rückmeldungen auf das geplante Exzellenzzentrum und die Kooperation mit Altscherbitz waren bislang aber sehr positiv. Die Gesundheitsreform setzt ausdrücklich auf Spezialisierung und trägerübergreifende Zusammenarbeit. Deshalb gehen wir davon aus, dass das Konzept genehmigt wird.

Die geplanten Einschnitte zur Stabilisierung der Krankenkassenbeiträge könnten kleinere Häuser finanziell belasten. Wie bewerten Sie die Pläne von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken?

Natürlich beobachten wir das aufmerksam. Für uns sind die Auswirkungen aber überschaubar, weil der Reha-Bereich davon weniger betroffen ist. Mit den geplanten 20 Krankenhausbetten sehen wir uns wirtschaftlich solide aufgestellt und auch hierfür gewappnet.

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